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Dr. Stefan Glombitza, Formycon AG

„Stellen Sie sich vor, Sie möchten den besten Wein, den Sie je probiert haben, exakt reproduzieren.“

Biopharmazeutische Arzneimittel haben die Behandlung schwerer Erkrankungen revolutioniert. Mit ihnen lassen sich schwere Erkrankungen wie in der Augenheilkunde, der Immunologie oder der Krebstherapie behandeln. Aber: Sie sind sehr teuer: Die Behandlung mit Biopharmazeutika ist in der Regel bis zu 15-mal teurer als mit einem rein chemisch hergestellten Wirkstoff. Damit sind diese Behandlungen mitverantwortlich für den starken Anstieg der Gesundheitsausgaben. Dr. Stefan Glombitza, CEO der Formycon AG, stellte zum Ausklang des Konferenztages eine noch junge Technologie vor, mit der sich diese Kosten um bis zu 50% senken lassen: Biosimilars – am ehesten zu vergleichen mit Generika im Bereich der klassischen Wirkstoffe. Wegen der hohen Kosten hat selbst in Deutschland nur ein Teil der Patienten Zugang zu biopharmazeutischen Therapien und muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Dank der Kosteneinsparungen verbessern Biosimilars den Zugang von Patienten zu hochwirksamen Therapien und leisten einen großen Beitrag zur finanziellen Entlastung der Gesundheitssysteme. 

Damit sei auch ihr Potenzial groß, führt Glombitza aus. In Deutschland lag der Umsatz mit Biosimilars im Jahr 2012 bei 75 Mio. Euro. Bis 2022 hat er sich auf mehr als 2.300 Mio. Euro vervielfacht. Schon nach dem ersten Jahr ihrer Zulassung erreichen solche Medikamente einen Versorgungsanteil von mehr als 70%. Die Einsparungen durch Biosimilars lagen in Deutschland 2022 bei rund 1,7 Mrd. Euro. Prognosen zufolge dürften die jährlichen Einsparungen durch Biosimilars in den Jahren 2026 und 2027 weltweit 100 Mrd. US$ übersteigen. Glombitza: „Das Zeitalter der Biosimilars hat begonnen.“

Die Entwicklung und Herstellung von Biosimilars sei alles andere als trivial, denn biopharmazeutische Arzneimittel bestehen aus hochkomplexen Proteinstrukturen, die bis zu 1000-mal größer sind als herkömmliche kleine Moleküle. Diese müssen erst analysiert und dann nachgebildet werden. Glombitza veranschaulicht das mit einem Vergleich aus der Technik: Aspirin setzt sich aus 21 Atomen zusammen – für den Formycon-CEO das Fahrrad unter den Transportmitteln. Ein großes biologisches Arzneimittel dagegen kann sich aus mehr als  25.000 Atomen zusammensetzen – im Vergleich zum Fahrrad entspräche das eher einem Business-Jet. Und wie wird das ganze nachgebildet? Glombitza brachte auch hier einen Vergleich, der im Kopf bleibt: „Stellen Sie sich vor, Sie möchten den besten Wein, den Sie je probiert haben, exakt reproduzieren und auf den Markt bringen – es wäre ein extrem aufwändiger Prozess.“