Die Kapitalanlage muss dynamischer werden

Die globale wirtschaftliche Großwetterlage ausgehend von den USA: kein ungewöhnlicher Einstieg in ein Podium wie dieses. Joachim Fels, Managing Director und Global Economic Advisor bei PIMCO, fasste die Lage zusammen: Der Wachstumsgipfel sei überschritten, der Konjunkturzyklus sei in seine Spätphase eingetreten. Gleichzeitig nehme die US-Notenbank Fed den Fuß deutlich vom Gaspedal, und auch die US-Fiskalpolitik dürfte ab 2020 neutral, wenn nicht sogar restriktiv wirken. „Wenn der Fiskalstimulus weg ist und gleichzeitig die Zinsen steigen, gibt es ein böses Erwachen“, so Fels. Schon 2020 oder 2021 könne eine Rezession kommen.

Dr. Götz Albert, Partner und Leiter Portfolio Management Small & Mid Caps, Lupus alpha, merkte zu den Zinsen an: „Solange die Zinsen derart niedrig sind wie heute, wirken sie wie Gift.“ Denn: Die Sparer sparen nicht mehr, die Staaten reformieren sich nicht, und eine Reihe von Unternehmen haben sich zu sehr niedrigen Zinsen refinanziert und investieren in Projekte, die bei einer Rendite von zwei bis vier Prozent erst einmal positiv aussehen. Bedeutet aber auch: Steigen die Zinsen, bekommen diese Unternehmen ein Problem. Bei der Aktienauswahl müsse man daher darauf schauen, dass die Unternehmen eben solche Projekte nicht haben und solide finanziert sind.

Dr. Benedikt Köster, Leiter Group Pensions bei Deutsche Post DHL, hat mit Blick auf Italien bereits vorausblickend gehandelt: „Nach der Italien-Wahl haben wir unser Staatsanleihenportfolio in Italien reduziert.“ Seine Maxime als treuhänderischer Investor in jeder Marktlage: „Überschätze Dich nicht.“ So sieht es auch Eberhard Vetter, Geschäftsführer und Leiter Kapitalanlagen bei der RAG-Stiftung. Sein Mittel der Wahl: Liquidität, denn sie mache in jeder Marktphase reaktionsfähig. Zudem plädierte er für einen restriktiven Umgang mit dem Risikobudget: „Davon darf bei uns nicht mehr als die Hälfte in den Risiko-Analysen verbraucht werden.“ Auch er überlege, wie künftig zu agieren sei: „Derzeit sind wir eher statisch positioniert. Doch ich denke, die Kapitalanlage muss dynamischer werden.“

Der gemeinsame Nenner auf dem Podium für die künftige Asset Allocation: Aktien sind mit einem Anteil um die 20 Prozent weiterhin fester Bestandteil im Gesamtportfolio, Anleihen ebenso. Spannend wurde es bei den Spezialitäten. So berichtete RAG-Geschäftsführer Vetter, seine Stiftung sei vor drei Jahren in Private Debt eingestiegen, mit bisher guten Ergebnissen. Zudem sei man nicht unwesentlich in Private Equity investiert. Noch viel wichtiger aber war ihm eine andere Botschaft: „Ich bin demütig, was Timing angeht“ – und verwies mit Augenzwinkern auf seine privaten Erfahrungen. „In der Stiftung machen wir so etwas nicht.“ Deutsch-Post-Pensionsverwalter Köster hob hervor, ein wesentlicher Teil des Pensionsvermögens setze sich aus Konzernimmobilien zusammen. Eine Rolle spielten bei ihm jedoch auch Alternatives, zu denen er Private Equity, Absolute Return sowie Volatilitätsstrategien zählte.

Überhaupt, „neue Anlageklassen“. Portfolio Manager Albert hatte dazu eine klare Meinung: Man müsse nicht unentwegt nach neuen Anlagethemen suchen, die Vielfalt sei heute schon extrem groß. Viel wichtiger sei es, für die vorhandenen Asset Klassen die besten Manager zu finden. Eines allerdings dürfe – wenig überraschend – in keinem Aktiendepot fehlen: Small und Mid Caps. „Anleger brauchen in ihren Portfolios ein Abbild der ökonomischen Realität. Wer innerhalb seiner Aktienallokation keine Nebenwerte hat, blendet einen wichtigen Teil der Wertschöpfung komplett aus und macht etwas falsch.“