Was fehlt, ist eine überzeugende Story für Europa

Daniel Schäfer, Ressortleiter Finanzzeitung beim Handelsblatt, definierte mit einer einfachen Feststellung die Leitplanken der Diskussion: „Wir leben in einem Zeitalter des Trumpismus.“ Zusammen mit Schäfer auf dem Podium: Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie a. D. und Jeroen Dijsselbloem, der als niederländischer Finanzminister sowie Präsident der Euro-Gruppe ebenfalls prominente Ämter innehatte.

Die Bestandsaufnahme Dijsselbloems in Sachen Europa war etwas ernüchternd: Ja, Europa stehe zweifelsohne für einen hohen Lebensstandard und eine hochentwickelte Ökonomie. Global gesehen sei die EU jedoch weder militärisch noch politisch ein starker Akteur. „Die Europäer brauchen einen großen erfolgreichen Deal, um zu zeigen, dass sie noch handlungsfähig sind.“

Zu Guttenberg warb für eine realistische Einschätzung Europas: „Es gibt eine Reihe von Realitäten, die wir akzeptieren müssen“, sagte er. So sei die EU noch nie eine Union der Gleichen gewesen. Es gebe große Unterschiede in Kultur, Wirtschaftskraft und im Denken. Anstatt in romantischen Vorstellungen steckenzubleiben, gelte es, den Willen voranzugehen zu stärken. Die Grundlagen dafür seien vorhanden – etwa in den Vorstellungen eines Europas der unterschiedlichen Geschwindigkeiten oder der konzentrischen Kreise. Doch eine zentrale Schwäche bleibe: „Was uns fehlt, ist eine überzeugende Story für Europa.“

Dijsselbloem machte Mut und verwies auf eine wesentliche Stärke der EU: Der Weg zur Entscheidung sei manchmal lang. Sobald der Entschluss aber stehe, entfalte Europa eine große Kraft bei der Umsetzung. Die Europäische Bankenaufsicht sei ein Beispiel. Der Niederländer traut Europa zu, dass es so auch bei den großen anstehenden Aufgaben kommen werde: Migration, Verteidigung, Sicherheit, Grenzschutz, überall werden bereits erste politische Schritte eingeleitet.

In einem waren sich beide Politiker einig: Europa müsse wieder stärker mit einer Stimme sprechen, wolle es den USA auf Augenhöhe begegnen.