„Ich investiere vermehrt in Nischen-Strategien“

„Regret Minimization“ – nicht bereuen müssen, unvorbereitet zu sein – stand im Mittelpunkt des Vortrags von Mohamed A. El-Erian. Seine Anekdote: Nein, er habe die Finanzkrise nicht vorhergesehen. Bei Pimco sei man mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 % davon ausgegangen, dass Lehman Brothers weitgehend lautlos von einer Bank mit einer gesünderen Bilanz aufgefangen werden würde. Nur zu 3 % sah man die Gefahr einer großen Finanzkrise aufgrund einer ungeordneten Insolvenz. „Aber trotzdem hatten wir einen detaillierten Aktionsplan in der Schublade, was in diesem Szenario zu tun sei“, betonte El-Erian.

Seine zentrale Botschaft an diesem Tag: „Man kann nur durch unsichere Zeiten erfolgreich navigieren, wenn man die Dinge aus verschiedenen Winkeln betrachtet.“ Jeder müsse für sich die Frage beantworten, was zu tun sei, wenn das „normale Szenario“ nicht eintrete. El-Erian zeichnete ein Bild der aktuellen „85 %-Erwartung“: Markt-Konsens sei ein Soft Landing der Konjunktur. Eine weiterhin wirksam die Vermögensbewertungen unterstützende Geldpolitik der Zentralbanken. Fiskalimpulse seitens der Regierungen. Die Politik bleibe laut, populistisch und nationalistisch, aber ohne Einfluss auf die Märkte, wo die Kurse weiter steigen würden. Nichts Dramatisches werde passieren.

Weit unbequemer wäre es, so El-Erian, käme es anders. Sein Szenario: „Irgendwann wird die Politik die Märkte schwächen. Und die Zentralbanken werden weniger in der Lage und gewillt sein, die Märkte zu schützen und sie von einer sich abschwächenden Weltwirtschaft zu entkoppeln.“ Es gelte jetzt, auf Signale aus dem System zu achten. Eines dieser beunruhigenden Signale: „Die USA haben begonnen, ökonomische Instrumente als Waffe einzusetzen – und es wird schwer sein, davon wieder wegzukommen.“ Handel sei ein kooperatives Spiel, doch wir seien jetzt in eine Welt des nicht-kooperativen Spiels eingetreten, denn die USA seien überzeugt, sie hätten im Vergleich zu anderen den längeren Atem.

In einer solchen Welt könne man keine eindeutige Strategie verfolgen. „Und ich habe noch nicht über Technologie, Klimawandel oder Demographie gesprochen.“ Wie denn er persönlich investieren würde, fragte abschließend ein Teilnehmer. El-Erian: „Ich bevorzuge es, in Nischen-Strategien zu investieren und nicht nur in breite Aktienmarktindizes.“