„Wir müssen auch politisch mehr in Afrika investieren.“

Bereits als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und später als Bundespräsident setzte sich Horst Köhler für eine echte Partnerschaft mit Afrika ein. Er ist überzeugt: Kommt Afrika wirtschaftlich nicht auf die Beine, wird auch Europa langfristig keine gute Zukunft haben. Afrika werde derzeit noch vor allem wegen seines Rohstoffreichtums umworben. Zugleich aber sei auch das enorme Bevölkerungswachstum in Afrika ein Machtfaktor, mit dem zu rechnen sei. Doch anstatt eine klare Strategie für den Umgang mit den geopolitischen Veränderungen zu entwickeln, „verausgabt Europa einen Großteil seiner politischen Kraft in der Abwehr des Zerfalls“.

 

Nicht wenige Europäer verfolgen die Wucht der chinesischen Investitionen in Afrika mit Unbehagen – so wolle China in den kommenden drei Jahren 60 Mrd. US-Dollar in den Ausbau afrikanischer Infrastruktur investieren. Doch laut Köhler fragten afrikanische Staatschefs in Richtung Europa: „Wer macht es denn sonst?“. Sein Appell: „Wenn wir Afrika nicht China überlassen wollen, müssen wir die attraktiveren Angebote machen.“ Wer langfristig denke, müsse das enorme Potenzial Afrikas erkennen. „Vielleicht hat es sich die deutsche Wirtschaft etwas zu leichtgemacht, indem sie bisher vor allem auf die asiatischen Wachstumsmärkte gesetzt hat.“

 

Dabei gehe es nicht nur um Rohstoffe – es gehe um die Menschen, und welches kreative Potenzial in ihren Köpfen strecke, dass sich jetzt immer mehr zu entfalten beginne. Als Beispiele nannte Köhler den W-LAN-Router „BRCK“; „Mara“, das erste Smartphone „made in Africa“ und das inzwischen weltweit verbreitete mobile Bezahlsystem „M-Pesa“ aus Kenia. Vier der fünf wachstumsstärksten Volkswirtschaften im Jahre 2018 seien afrikanische. Es liege deshalb im Eigeninteresse Deutschlands, als „Ausrüster des Wachstums“ afrikanische Länder beim Aufbau einer verarbeitenden Industrie zu unterstützen. Dafür brauche es jedoch dringend mehr finanzielle und politische Investitionen.