„Garantien in der Altersvorsorge gehören abgeschafft.“

Seinen Eingangsvortrag widmete Ralf Lochmüller, CEO und Managing Partner von Lupus alpha, einem Thema, das bei anhaltender Zinslosigkeit immer mehr Brisanz bekommen wird: Unter dem gültigen regulatorischen Regime ist es den mehr als 400 Versorgungseinrichtungen in Deutschland auf Dauer unmöglich, eine Rendite von im langfristigen Durchschnitt 4 % zu erwirtschaften. Die ist aber nötig, soll über den reinen Werterhalt hinaus zusätzliches Altersvorsorge-Vermögen aufgebaut werden. „So, wie die Altersvorsorgesysteme vor 30 Jahren konzipiert worden sind, funktionieren sie nicht mehr“, stellte Lochmüller fest.

Seine zentrale Forderung: Eine chancenorientierte Asset Allocation, die bewusst mehr Risiken zulässt, sollte das neue Anlagecredo für die Anlage von Vorsorge-Kapital sein. „Dafür brauchen wir keinen neuen deutschen Staatsfonds“, sagte Lochmüller. „Die beherzte Umgestaltung unserer bestehenden Vorsorge-Systeme reicht vollkommen aus, um sie zukunftsfähig zu machen und um einen Beitrag zu leisten gegen Altersarmut.“

Wie diese Umgestaltung aussehen muss, formulierte Lochmüller in seinem 5-Punkte-Plan für eine Reform der betrieblichen Altersversorgung:


1. Die Anlageverordnung muss angepasst werden

… denn ihre Anlagegrenzen verhindern eine chancenreiche, langfristig erfolgreiche Asset Allocation. Wir brauchen eine spürbar höhere Risikokapital-Quote von 60 % und mehr.

2. Es bedarf einer langfristig ausgerichteten Risiko-Methodik

Pensionsgeldanleger müssen ihre Risikomodelle auf einen 20-jährigen Anlagehorizont ausrichten dürfen. In der Bilanzierung ist das strenge Niederstwertprinzip zu vermeiden.

3. Die Garantien in der Altersversorgung gehören abgeschafft

Garantien sind bei Zinslosigkeit nicht darstellbar. Künftige Pensionäre erhalten dafür wieder die Chance auf die notwendigen 4 % – wenngleich auch nicht mehr „garantiert“.

4. Regulierung braucht Umsicht und Augenmaß

Bei der betrieblichen Altersversorgung darf es nicht zu einer versicherungsartigen Regulierung ähnlich wie Solvency kommen. Das würde den Spielraum noch weiter einschränken.

5. Vorsorge-Einrichtungen müssen substanziell Personal aufbauen

Vorsorgeeinrichtungen brauchen eine Qualifizierungs-Offensive entsprechendem Personalaufbau als Voraussetzung für eine professionelle, diversifizierte Kapitalanlage.

 

Lochmüller: „Risiken müssen kontrolliert werden. Aber sie müssen auch eingegangen werden dürfen. Das ist das Erfolgsrezept für attraktive Renditen auch in schwierigen Zeiten.“

 

Den kompletten 5-Punkte-Plan „Vorsorge-Systeme müssen neu gedacht werden“ finden Sie hier.