„KI erweitert die menschliche Intelligenz“

Einleitend ein Zitat, IBM-Expertin Andrea Martin brachte es von einer Mittelstandskonferenz mit: „Ich habe keine Angst vor Maschinen, die mehr denken, sondern vor Menschen, die weniger denken.“ Aber was ist künstliche Intelligenz (KI)? Martin: „Sie imitiert menschliches Denken und erweitert deshalb die menschliche Intelligenz.“ Deshalb spreche sie im Englischen Wortsinn auch lieber von „Augmented“ statt von „Artificial Intelligence“ – also „erweitert“ statt „künstlich“. Denn: KI funktioniere nur im Zusammenspiel mit Menschen. So sei KI zwar besser als Ärzte darin, auf Röntgenbildern Krebs zu erkennen. Im Team allerdings erzielten KI und Ärzte noch einmal bessere Ergebnisse.

Das große Potenzial von KI bestehe darin, in kurzer Zeit unstrukturierte Informationen in großen Mengen aufnehmen, verstehen und Schlussfolgerungen daraus ziehen zu können. So habe eine KI 70.000 Fachartikel über Krebsforschung ausgewertet und Querverbindungen aufgedeckt – eine Aufgabe, für die ein Mensch mindestens 38 Jahre bräuchte.

In Entwicklungsstufen gedacht befänden wir uns heute noch auf der Stufe der „schwachen KI“. Dazu Martin: „Die heutigen Systeme funktionieren nur auf sehr spezialisierten Anwendungsgebieten und überall dort, wo sehr akkurat gearbeitet werden muss – zum Beispiel bei der Hautkrebs-Diagnose.“. Ziel der Forschung aber sei eine „breite“ oder auch „starke KI“. Sie müsse in der Lage sein, aus kleineren Datenmengen zuverlässige Prognose zu erzeugen. Und sie müsse Lernergebnisse eines Fachgebiets auf ein anderes übertragen können. Endstufe wäre die „revolutionäre KI“, also Systeme, die eigenständig und frei denken könnten. In der Branche gehe man allerdings davon aus, dass dies nicht vor 2050 erreichbar sei – oder weit später.

„Szenarien, wie wir sie in manchen Science-Fiction-Dystopien sehen, werden noch sehr lange nicht möglich sein“, zeigte Martin sich überzeugt. „Dafür kennen wir das Gehirn bei weitem noch nicht gut genug.“